10 Dinge die du nach der Schule nicht tun solltest | Episode #2 mit Carlo Reumont

Transkript

Niclas: Dann lass mich starten, Carlo am besten, indem ich dir sage: Nochmal ganz herzlichen Dank, dass du da bist. Und für das Zusenden deines Buches: Zehn Dinge, die du nach dem Abitur nicht tun solltest. Ich muss eins vorweg sagen. Das ist ein saugeiles Buch. Ich bin ja schon lange aus dem Abitur jetzt raus, schon zehn Jahre. Aber ich habe es trotzdem gelesen, und ich dachte jetzt, da kommt ein Buch, was ihr sagt: Okay, macht dies nicht, mach das nicht nach dem Abitur. Ganz im Gegenteil. Es ist ein geiles Sachbuch mit vielen Impulsen drin. Repräsentiert natürlich auch deinen eigenen Weg, wo wir gleich ein bisschen mehr zu hören. Aber auch du stellst so richtig coole Thesen auf. Da muss ich einfach später mal mit reinstellen. Ich würde sogar sagen, dass es eines der besten Bücher, das ich dieses Jahr gelesen habe, habe viel gelesen. Ich glaube auch, dass es ein Buch, was man lesen kann, selbst wenn man schon aus der Schule lange raus ist oder mittlerweile im Job ist. Wenn man diesen Freiheits Gedanken aufwirft: Wie kann ich im Leben frei leben, mein eigenes Leben leben, eigentlich? Und nicht hinter diesem normalen Trott hinterherrennen, was die Gesellschaft als normal anerkannt hat, diese Routine, die es immer gibt. Du hinterfragt das alles in diesem Buch deshalb bin ich happy, dass ich es gelesen habe. Und vielleicht wollen wir einfach mal damit starten im Gespräch: Wie kamst du drauf dieses Buch zu schreiben?

Carlo: Das Buch hat zwei Phasen. Ich hatte erst einmal die Ideen Phase und dann eigentlich die Zündung von der Idee. Die Idee kam, wo ich auf dem Seminar war, in Kanada. Da sagte, erzählte der Trainer, eine Geschichte von einem Bauunternehmer und dieser Bauunternehmer, der war seit vielen Jahren schon im Geschäft und wusste durch viele Projekte, die anders ausgingen als geplant, wusste er total viel über die Baubranche. Und naja, er hatte so viel Wissen, wusste aber nicht: Wie vermarkte ich das jetzt? Und schrieb dann einfach ein Buch: 10 Dinge, die man bei einem Bauprojekt nicht tun sollte. Ich saß im Publikum, und ich dachte mir so: Ich habe seit fünf Jahren das Abitur irgendwie hinter mir. Und was habe ich seitdem alles gemacht? Und vieles ist anders gelaufen als geplant. Ich habe aber auch total viel Wissen. Ich mache zehn Dinge, die man nach dem Abitur nicht tun sollte. Bevor ich im Flieger saß, hatte ich schon eine ganze Liste durch. Und dann landete das erstmal in der Schublade, bis ich einen Freund von mir traf, der selber bis dahin drei Bücher geschrieben hatte. Und wir saßen zusammen. Ich hatte eines seiner Bücher lektoriert, hatte mich zum Essen eingeladen. Wir sprachen über Bücher und Schreiben und Verschiedenes. Und ich erzählte meine Geschichte. Und irgendwie als wir zusammensaßen sagte er: Carlo, da solltest du eigentlich ein Buch daraus schreiben und irgendwie so meine Geschichte plus diese zehn Dinge, die man nicht tun sollte. Plötzlich war das so ein Match. Es hat irgendwie total gut zusammengepasst. Ich hab mich dann ab dem Tag hingesetzt und geschrieben, jeden Tag zwei Seiten, bevor ich mich versah, durch einen Agenten ein Verlag gefunden. Und dann war es da, und es ging alles total schnell. Und ich hatte nur 150 Seiten geplant, aber der Verlag sagte: Nee, wir brauchen mindestens 250. Was soll ich machen? Das Buch ist fertig. Aber keine 250 Seiten, kein Vertrag. Gut, dann machen wir es halt irgendwie, irgendwie werde ich das machen. Meine Sorge war, dass ich das Buch verwässere. Mein Ziel war es wirklich, das kompakt zu haben und irgendwie für den Leser da nicht irgendwie Wochen dran sitzt, sondern vielleicht nur Tage oder besser im besten Fall Stunden. Aber das Buch ist jetzt viel, viel besser, als es am Anfang war. Einfach nur, weil mich die Situation herausgefordert hat, noch einmal mehr Geschichten herauszuholen, nochmal mehr darüber nachzudenken. Was will ich hier eigentlich sagen? Und ich habe dann allerhand Notizen aus anderen Themen irgendwie plötzlich verknüpfen können. Und 250 Seiten waren durch, und ich war sehr froh um den Druck des Verlages.

Niclas: Ich finde es ist aber auch richtig gut geworden aus diesem Grund, weil du hast ja, du schreibst zum Beispiel die Story, wo du einfach nach Spanien gegangen bist, ohne irgendeinen Plan und einfach mal vor einem Hotel standst oder vor einem Golfclub und gesagt hast: Ja, ich habe keinen Job, aber ich will bei euch arbeiten. Was muss ich hier machen? Musste gleich mal ein bisschen mehr zu erzählen. Das Buch repräsentiert auch so ein bisschen deine Erfahrungen mit dem, was nach dem Abitur kommt, also du hast zum Beispiel BWL studiert und Philosophie studiert, was ja in dem ersten Blick erst mal konträr ist, aber dennoch eigentlich sehr viele Parallelen auffindet. Dann hast du, ich will es gar nicht vorgreifen so viel. Du hast so viele crazy Sachen gemacht in den letzten Jahren. Total verrückt. Vielleicht auch für den Zuschauer und Zuhörer. Heute hast du vor allem mit dem Thema, du bist Trainer im Bereich Zeitmanagement. Wie komme ich in mein Flow rein? Wie lass ich die Dinge leicht einfach zu mir kommen? Wie komme ich in diesen Flow, in dem das Leben einfach Spaß macht und die Arbeit auch Spaß macht? Und ich wirklich was bewirke? Da bist du heute erfolgreicher Trainer in dem Bereich und dein Weg bis zu diesem Punkt und du bist ja noch lange nicht fertig mit dem wo du bist, dafür schreibst in diesem Buch mit deinen Storys sehr gut. Ich finde es ganz hervorragend, dass der Verlag da ein bisschen Druck gemacht hat und du nicht aufgehört hat. Aber ich glaube tatsächlich, so ist es ja auch. Ich kenne das jetzt von meinen Büchern. Du schreibst die ersten 100 Seiten und denkst: Jetzt habe ich die Key Message und dann kommt der Verlag und sagt: Wir brauchen aber 300 Seiten und du willst natürlich kein Stuss schreiben, also musst du viel mehr in die Tiefe gehen mit diesen Gedanken, die du hast. Und das hast du, finde ich, sehr gut getroffen, in dem Buch. Erzähl uns doch mal, lass uns doch sofort anfangen. Erzähl uns mal die Story: Du hast in dem Buch auch niedergeschrieben: Du bist einfach von Deutschland nach Spanien gegangen, ohne irgendwas, ohne irgendeinen Plan, hast einfach so diesen Freiheitruf gehabt und gesagt: Ja, ich will jetzt eigentlich mal was anderes machen und mal völlig weg von dieser normalen Routine und von das, was vielleicht die Gesellschaft von mir fordert. Diese typischen Hamsterfallen also erst Schule, dann studieren, dann Job bis zum Umfallen, dann Rente, dann Kiste und Ende, sondern wie kamst du darauf, nach Spanien zu gehen?

Carlo: Ich steckte in der Zeit, bevor ich nach Spanien ging, in einer schwierigen Situation also für mich schwierig, weil es war so ein Jahr nach dem Abitur, und ich lebte immer noch in Aachen, wo ich Abitur gemacht hatte, und das fühlte sich für mich nicht richtig an. Ich hatte ja immer so einen gewissen Freiheitsruf irgendwie immer raus, irgendwie Sprachen lernen, Leute kennenlernen, was entdecken, Abenteuer erleben. Und ich arbeitete einfach nur als Kellner, den ganzen Tag. Ich mein klar. Ich habe Geld verdient. Es war in Ordnung. Nur was mir fehlte, waren Sprachen zu lernen. Ich hatte Spanisch gehabt in der Schule, wollte einfach komplett lernen, und ich spiele einfach gerne Golf. Und ich dachte mir, ich will das irgendwie kombinieren die zwei Sachen. Wie mache ich das jetzt? Wie mache ich das im Winter? Und das fühlte sich für mich total weit weg an.. Aber ich trug die Frage so im Kopf. Wie kann ich diese zwei Sachen verbinden? An einem Arbeitstag fand ich ein Magazin aufgeschlagen. Da waren im Bankett, waren alle weg. Aber dieses Magazin war auf einem Stehtisch aufgeschlagen, in der Mitte. Da sah ich einfach nur einen Golfplatz, Palmen und blauen Himmel. Was ist hier los? Wälzte es so durch, und das ist eine Immobilien Zeitschrift. Da ging es darum, wie in Spanien aus Gemüseäckern, Golfplätze gemacht werden. Ich denke, so okay ist das jetzt die Antwort auf meine Frage: Wie soll ich verbinden? Im spanischen Golf. Und ich nahm das Magazin mit, hab’s durchgeblättert, durchgelesen, da ist was los in Spanien. Ich fliege jetzt einfach mal dahin, hab mir ein One Way Ticket gekauft, hab mir eine Wohnung gemietet, für eine Woche, habe mir eine Woche Zeit gegeben, dass ich Arbeit und eine Wohnung finde, und ich habe mich bewusst in eine schwierige Lage gebracht, weil ich mir dachte: Ich will mich herausfordern. Ich will irgendwie aus dem bequemen Bekannten raus und schauen: Was mache ich in der Situation, wie reagiere ich? Anders gesagt: Vielleicht, weil ich mich selbst testen wollte. Aus welchem Holz bin ich geschnitzt? Na ja, am Ende der Geschichte ist 24 Stunden nachdem ich in Spanien ankam, hatte ich eine Wohnung, und ich hatte einen Job. Und ich bin acht Monate dageblieben, Spanisch gelernt, Golf gespielt. Das Ende der Geschichte. War aber auch nicht unbedingt einfach. Ich kam da an, mich hatte natürlich keiner erwartet, mich kannte keiner. Ich suche einen Job. Ja, kein Problem, ich rufe den Personalleiter. Und dann rief sie in anderen Rezeptionen: Ja, ne, der ist gerade im Gespräch. Kann ich Stunde? Muss vielleicht warten. Ja eine Stunde ist ja kein Problem. Komm ich in einer Stunde wieder. Wie schauts aus? Ja, immer noch im Meeting, zwei Stunden vielleicht noch. Kann ich ruhig warten, die zwei Stunden. Dann war ich drei Stunden in der Lobby und dann: Ja ne tut mir leid. Der ist jetzt unterwegs heute. Am besten morgen wiederkommen. Ich bin aber nur in dieses Hotel gekommen, weil mich jemand hingefahren hat. Ich hatte gar keinen Plan, wie komme ich nach Hause? Ich war in so einer Situation, Rücken gegen die Wand, so fühlte es sich an. Ich habe gesagt: Entschuldigen Sie bitte. Ich bin jetzt den ganzen Weg aus Deutschland hergekommen, um jemanden zu sprechen, jemanden kennenzulernen, um mich hier vorzustellen. Ich bin jetzt seit drei Stunden hier in der Lobby. Bitte bringen sie mir doch irgendjemanden, mit dem ich sprechen kann. Und sie greift wieder zum Hörer. Ja der Personalleiter kommt in 5 Minuten raus.

Niclas: Aber das ist die richtige Beharrlichkeit, die du hattest, um zum Erfolg zu kommen. Ich finde es cool, was hast du gemacht hast. Und du schreibst es ja auch in deinem Buch. Du kommst vielleicht aus dem Abitur oder aus dem Studium, und man weiß nicht ganz genau: Was mache ich jetzt mit meinem Leben? Und du hast dir bewusst diesen Moment gewählt. Raus aus der Komfortzone, wo es erst mal unangenehm ist, wo du weißt, ich habe keine Ahnung, was jetzt passiert. Ich bin jetzt eine Woche da. Es gibt keinen Rückweg. Ich kann nichts zurückziehen. Es gibt nur noch den Weg nach vorne, raus aus der Komfortzone. Ich habe das Gefühl, dass Menschen große Probleme damit haben, mit denen ich spreche, die immer sagen Ja, weiß ich nicht mit der Komfortzone raus. Es so anstrengend. Und wenn ich jetzt mein eigenes Leben betrachte, morgens 5 Uhr aufzustehen. Die ersten zwei, drei Wochen haben mich umgebracht, heute ist das ganz normal, heute stehe ich um 5 Uhr auf. Ich gehe dann laufen. Kein Problem, aber am Anfang war es erst einmal so. Es ist sehr unangenehm und dieses Unangenehme zu zelebrieren und sich dem auszusetzen. Raus aus der Komfortzone. Hast du das bewusst gemacht, oder hast du gesagt: Ja, das ist jetzt eben mal so. Ich muss das irgendwie erreichen. Ich will jetzt Golf spielen und arbeiten in Spanien. Ich muss das jetzt einfach mal machen. Oder war es tatsächlich etwas Bewusstes, was du gemacht hast? Gesagt, ich will jetzt einfach meine eigene Komfortzone erweitern.

Carlo: Ich wollte das Leben herausfordern, das war mein Ziel und meine Idee. Und ich hatte, ehrlich gesagt, einfach durch ein Magazin Artikel durch das Magazin. Ich hatte die Frage wirklich täglich mit mir im Kopf herumgetragen. Ich hatte so viel Vertrauen einfach daran, dass es gut geht, weil das für mich eine Einladung vom Leben war. Ja, dieses Magazin: Wenn du willst, Golf und Spanisch hier ist die Antwort, und ich hatte so viel Vertrauen drinnen, dass es für mich relativ einfach war. Es fühlte sich nicht so krass an, so Komfortzone verlassen, sondern ich hatte das Gefühl, meine Frage oder mein Wunsch wurde erhört, und ich gehe der Sache jetzt einfach nach. Ich hatte totales Vertrauen darin, dass es irgendwie gut geht. Also, ich sage mal so: Es ist es eher, dass ich jetzt mit anderen Dingen versuche, die Komfortzone zu verlassen. Oder ich es gut wie du es vorhin gesagt hast, dass es irgendwie auch zu zelebrieren. Dieses Gefühl, ich weiß, es ist irgendwie gerade in eine gefährliche Situation. Ich sage mal als Beispiel: Eisbach schwimmen. Ja, das mache ich gerne einfach mal im Eisbach schwimmen, gibt es auch im Winter. Mit einem Freund, auch letzte Woche. Und das ist total aus der Komfortzone rauszugehen. Jedes Mal. Und wir haben es schon x mal gemacht, auch im Winter schon x mal gemacht. Aber du weißt einfach der Eisbach, der ist stärker, der gewinnt? Auf jeden Fall. Die Wassertemperatur von unter fünf Grad. Und da ist eben trotzdem diese Konfrontation mit dem Unbekannten, mit dem Unbequemen. Und wir lieben es. Das ist einfach nur, weil du kommst raus aus dem Wasser. Du hast dich der Sache gestellt, und der Wind, der vorher kalt war, bevor du ins Wasser gegangen ist. Der macht nichts mehr aus, und ich denke, dass das auch ganz gut zu übertragen ist. Generell auf die den Umgang mit dem Unbekannten, mit dem Schwierigen, mit dem Unbequemen, ja irgendwie dickeres Fell zu bekommen, wo mir dann die schwierigen, die früher schwierigen Dinge gar nicht mehr so viel ausmachen. Wenn du zum Beispiel vom Schreiben erzählst. Die ersten Wochen, fünf Uhr aufstehen, schreiben, laufen, gehen ist unbequem. Aber jetzt scheint es so zur Norm geworden zu sein. Und dann ist die Frage: Was fordert mich jetzt noch heraus? Da darf es ruhig weitergehen. Die Sache mit Spanien war für mich eindeutig auch so eine Zündung, wo ich mir sagte: Okay, Carlo, wenn du dich irgendwie wieder bequem im Leben irgendwo findest, dann darfst du das in Frage stellen. Und du darfst auch glauben, dass sich das schnell ändert, weil es war eine Frage von einem Monat oder zwei, wo ich entschieden habe zu gehen und dann dort war und komplett anderes Leben hatte. Und dadurch, dass ich es gemacht hab, anstatt darüber zu lesen und einen Film drüber zu schauen oder was anderes, habe ich das wirklich gespürt. Und es bleibt natürlich eine Erinnerung, die mir immer eine Lehre bleibt. Ich sage: Okay, das regelmäßig zu hinterfragen. Wie kann ich das noch verbessern, was ich oder wie kann ich mir das holen, was ich mir wünsche? Das ist für mich letztendlich eines der spannenden Dinge an der Geschichte. Und eben die Idee, weiter zu gehen, als ich jetzt momentan glaube, dass ich gehen könnte.

Niclas: Mir fällt dazu jetzt spontan ein, die Aussage von David Gagarins in seinem Buch You cant hurt me, der geschrieben hat: embrace the suck. Also nimm das an, was erst mal Schmerzen bringt, was unangenehm, das kalte Wasser. Morgens früh aufstehen, einfach in ein anderes Land zu fahren, mit einer anderen Sprache und einfach mal da was ganz Unbequemes und Unbekanntes zu versuchen. Das ist das, was uns aus dieser Komfortzone rausbringt und den eigenen Horizont tatsächlich erweitert. Für viele Menschen scheint das ja immer so zu sein, dass Deutschland so das einzige Land ist oder die Schweiz oder Österreich. Und dann alles, was so weiter nebenbei ist. Schon Frankreich ist tiefstes Ausland. Keiner weiß, was da so liegt. Ich finde es immer spannend, aber es ist eine extreme Herausforderung, weil alles, was irgendwie sinnvoll ist, im Leben zu bekommen oder sagen wir mal hart ist zu bekommen, nicht sinnvoll, aber hart ist zu bekommen. Aber was immer sich lohnt. Ist erst mal mit Schmerzen verbunden in irgendeiner Form, das ich war, was er machen muss, was ich vorher nicht getan habe. Jetzt zum Beispiel, du hast es angesprochen. Bücher schreiben. Mein erstes Buch war. Ich habe mehrfach gedacht, bei jeder Seite: What the fuck am i doing? Ich schreibe heute noch, wenn ich heute ein Buch schreibe. Das war bei allen bisherigen Büchern, die ich geschrieben habe. Jedes Mal. Ich schreib eine Seite, denke mir, was schreibst du da? Und dann lese ich es nochmal, und ich weiß es nicht. Was werden andere Leute darüber sagen? Irgendwann legst du das einfach ab. Und okay, das ist jetzt mal meine Message. Das will ich jetzt rausgeben. Das schreibe ich jetzt einfach und raus damit, weil du weißt ganz genau, du machst es nie jedem recht, du kriegst von links, kriegst einen Schwinger von rechts ein Schwinger. Andere sagen dir super Buch, andere sagen interessiert mich nicht. Da kriegst ja jedes Feedback über das, was du kreierst im Leben oder das, was du machst. Aber dennoch aus dieser Komfortzone auszusteigen und zu sagen: Wo bin ich jetzt in meinem Leben? Weil das ist ja auch so eine Frage, die dein Buch stellst. Mal zu analysieren: Wo bin ich, wer bin ich? Was will ich? Da hast du diese Aussagen in deinem Buch geschrieben. Lass sie mich kurz raussuchen. Die habe ich mir extra markiert, weil ich die so gut fand, irgendwo am Ende des Buches. Du hast die Frage gestellt: Bist du du, wenn du du bist?

Carlo: Wenn du nicht du bist.

Niclas: Wenn du nicht du bist, genau so richtig. Das hat mich ein bisschen an Brecht erinnert. Wer bin ich? Wie viele? Ich habe echt bei mir gedacht: Okay, dazu muss ich ja erst mal analysieren: Wo stehe ich im Leben? Wer bin ich? Was bin ich? Was will ich repräsentieren? Was will ich mit meinem Leben machen? Und vor allem so dieser Gedanke. Was will ich hinterlassen? Als die im Gegenteil dazu den normalen Weg zu gehen. Das heißt Schule, Studium, Job, große Firma, zwei, dreimal vielleicht Firma wechseln oder was auch immer. Oder bei einer Behörde arbeiten und dann nur warten, bis die Rente kommt. Na, da ist ja nicht viel passiert. Zwei, dreimal im Jahr fliegt man dann nach Mallorca oder in die Türkei, hat 1,8 Kinder, 2,4 Katzen, VW Passat und eine Doppelhaushälfte. Aber nix passiert im Leben, und eigentlich ist man so, eigentlich lebt man so einer Ohnmacht. Man lebt zwar, aber eigentlich lebt man nicht wirklich, weil man nichts mehr erlebt. Und das finde ich eine der Kernaussagen in deinem Buch, die hinterfragt, was es bedeutet, wirklich zu leben. Wie bist du auf diesen Gedanken kommen? Du bist ja relativ früh, auf diesen Gedanken zu kommen, einfach mal von früh an das Leben zu hinterfragen, diesen Weg zu hinterfragen, muss ich nach der Schule oder nach dem Abitur machen. Muss ich überhaupt Abitur machen? Muss ich studieren? Ist Studium tatsächlich das Nonplusultra nach gesellschaftlichen Normen heutzutage? Glaubst du, dass es heute ein Weg ist, der von der Gesellschaft vorgegeben wird? Du musst Abitur machen, du musst studieren oder dass es andere Wege gibt, die einfach besser zu einer passenden sind?

Carlo: Also beide Wege gibts und der etwas steinigere Weg. Ich habe das Gefühl, der wird immer mehr Leuten zugänglich, mit dem steinigen Weg meine ich, den eigenen Weg zu gehen und mit dem eigenen Weg zu gehen meine ich einfach, die Dinge auf deine Art und Weise zu machen. Du kannst auch studieren und deinen Weg gehen, einfach indem du etwas Exotisches studierst oder indem du dir einfach viel Zeit lässt, um zu studieren. Ich habe einen Freund, der hat auch sechs, sieben, acht Jahre studiert und ist Ingenieur. Nur was hat er gemacht? Zwischendurch hat er ohne Ende Praktika gemacht, im Ausland, überall die Chance genutzt zu bleiben, zu woanders zu studieren, zu arbeiten. Alles auch im Kontext seines Studiums. Und daraufhin hat er unglaublich viele Kontakte gemacht. Während seines Studiums und gleich auch mit Ende 20 ein Job gefunden, den er haben wollte. In der Papierindustrie, er arbeitet in der Papierindustrie und das, ich fand das so bemerkenswert, weil er, ich sag mal so äußerlich gesehen normalen Weg gegangen: Abitur, dann erst mal Auslandsjahr und dann studieren. Aber so, wie er das macht mit seiner eigenen Lässigkeit, mit seiner eigenen Art, einfach überall auf der Welt zu sein und seinen Weg zu gehen, fand ich sehr spannend. Wie er das einfach kombiniert hat. Ich war da ein bisschen extremer auf der anderen Seite: Kein Studium, wollte alles irgendwie erst mal auf eigene Faust machen. Und naja, ich sag mal, das hat nicht so geklappt, wie ich es mir vorgestellt habe, weil es auch der steinigere Weg ist, weil es der schwierigere Weg ist. Und wenn ich jetzt überlege: Okay, dieser Weg, jener Weg. Ich glaube, die Möglichkeiten und was auch immer das bedeutet, erfolgreich zu sein. Aber die Möglichkeiten, auf seine eigene Weise erfolgreich zu sein, sind jetzt mehr da als vor vielleicht 10, 15 Jahren, zumindest als ich Abitur gemacht habe. Die Welt ist viel enger vernetzt. Das heißt, wenn du irgendwie als Beispiel ein Unternehmen gründen möchtest, du findest so schnell Leute, die Experten sind in ihrem Bereich, mit denen du über Länder hinweg etwas aufbauen kannst, aufstellen kannst. Oder wenn es dann auf der anderen Seite um Studieren geht. Ich meine, ist die Frage, ob man es so viel leichter hat, weil du hast unglaublich große Auswahl an Studiengängen. Und ich sag mal, einen Abschluss im Studium ist mehr oder weniger Standard heutzutage. Es gibt so viele Leute, die ein Studium haben. Ich stelle auch gerne in meinem Buch was im zweiten Kapitel, wo es um Geld geht, stelle ich einfach nur die Frage: Okay, mag ja sein, dass du mit einem Studium einen guten Job kriegst. Aber ist ein guter Job überhaupt dein Ziel? Das, finde ich, ist eine berechtigte Frage. Wenn dein Ziel ist, ein Abenteuer zu erleben. Kauf dir ein altes Auto und fahr nach Afrika. Da wirst du Abenteuer erleben. Und wenn du dann immer noch studieren willst, dann komm zurück, dann fang mit Mitte 20 an zu studieren. Bist mit 30 fertig. Und der Unterschied ist dann: Du bist ja nicht nur jemand, der studiert hat, sondern bis jemand hat, Geschichten zu erzählen. Du bist eine Persönlichkeit, du bist jemand, der sein Studium und das, was in der Theorie lernt, auch mit Praxis wirklich abdecken kann. Und ich glaube, gerade in der Arbeitswelt macht das Leute interessant. Das ist jedenfalls, was für mich funktioniert hat. Das kann ich sagen. Aber gleichzeitig weiß ich: Es funktioniert noch nicht für jeden. Ich denke, es ist vollkommen in Ordnung, wenn jemand sagt: Nee, ich weiß genau, was ich will. Ich will Medizin studieren. Ich will mal schnell fertig sein. Ich will Arzt werden, damit ich dies und jenes machen kann. Dann ist das auch vollkommen richtig und gut für diese Person. Und herauszufinden, was für dich gut und richtig ist, dass ich finde, dass es fair, sich einfach Zeit zu nehmen dafür, weil das eine der Dinge finde ich, die man in der Schule nicht lernt. In der Schule lernst du mehr, was du für Möglichkeiten hast, wenn du studierst, oder zum Arbeiten, aber nicht, was du für dich in deiner Situation, mit deinen Talenten, mit deinen Zielen, mit deinen Vorstellungen vom Leben, wie das wächst. Das beginnt erst nach der Schule. Und dazu würde ich nach wie vor jeden ermuntern, sich auszuprobieren.

Niclas: Es heißt ja immer so schön. Man befindet sich in Findungsphase, diese Findungsphase. Ich fange jetzt mal an, irgendwie das oder jenes zu machen, finde mich selbst. Aber ich glaube, dass was du auch sagst. Da wird mir jetzt gerade bewusst: Man kommt aus dieser Findungsphase nie heraus. Du bist ja immer in dieser Findungsphase und versuchst, dich selbst zu entwickeln. Ich bin ja den relativ normalen Weg gegangen, könnte man sagen. Abitur, dann direkt Betriebswirtschaftsstudium, Bachelor, was eigentlich nur ein Absitzen war, muss ich wirklich sagen: Der Bachelor war nur auswendig lernen, rein in den Kopf. Dann kam die Klausur. Alles wieder Bulimie lernen, rausgekotzt, fertig. Abschluss Bachelor. Master war nochmal ganz was anderes. Nach meinem Master dann direkt in die Beratung und da Vollgas gegeben und vieles auf die Beine gestellt, hat sicherlich gewisse Erfolge gehabt, wie wir auch immer Erfolg definieren wollen. Aber ich habe während des Studiums sehr viel gearbeitet. Ich habe lange bei einer Airline gearbeitet, um das Thema Boden Abfertigung erst einmal praktisch zu kennen, um damit später dann in der Beratung und beim Kunden zu sein und zu sagen: Ich weiß nicht nur aus dem Studium den ganzen Kram hier, sondern ich weiß die Praxis. Ich habe hier zwei Jahre gearbeitet, da bei der Airline zweieinhalb Jahre. Ich weiß, wovon ich rede. Deshalb dieser Praxisteil hat mir manchmal, wenn ich zurückblicke, vielleicht sogar noch mehr gebracht als das Studium. Ein Studium ist reines akademisches Denken. Wie lerne ich akademisch, wie kann ich empirisch arbeiten? Das war sicherlich eine super Zeit, auch wenn ich wenig gefeiert habe und mehr gearbeitet. Aber ich glaube heutzutage, was relativ häufig beklagt wird, ist, dass es so viele Menschen gibt heutzutage, die einen Job oder einen Weg wählen, der ein Studium hat. Mindestens einmal Bachelor, irgendwie sowas. Wie du sagtest, viele haben heutzutage ein Studium, aber diese praktischen Kompetenzen dabei einfach über den Jordan gejagt werden. Ich sehe es gerade auch durch einen Kumpel, der ist Handwerker, der ist Elektriker. Und er sagt: Ja, wir haben in unserem Betrieb 28 Leute. Wir könnten über 70 Leute noch einstellen. Aber wir finden einfach keine. Es gibt kaum noch Handwerker, und ich kenne das aus allen möglichen Beispielen von Leuten, die bauen, Eigenheim bauen oder mit der Firma bauen. Die sagen: Ich würde gern etwas bauen, aber ich finde keine Handwerker zum Bauen, weil einfach keiner mehr Handwerk machen will. Oder wir holen Handwerker aus dem Ausland. Die haben aber dann vielleicht nicht die Qualität, die wir vielleicht in Deutschland gewöhnt sind oder in Österreich und in der Schweiz. Diesen handwerklichen Beruf immer weiter abdriften. Deshalb. Ja, Weg finden definitiv. Allerdings würde ich mal stark anzweifeln wollen oder hinterfragen wollen, ob der Gedanke unserer Gesellschaft, dass das Studium in erster Linie der beste Weg ist, auch in der Wertung her, dass das wirklich so richtig ist. Denn heutzutage machen, ich habe es vor kurzem noch wieder erwähnt, in einem Vortrag, den ich gehalten habe. 52 Prozent. 52 Prozent aller Kinder machen in Deutschland Abitur. 52 Prozent. Das ist Wahnsinn. Von diesen 52 Prozent sind es knapp 50 Prozent, irgendwas 49 Prozent, die studieren gehen. Das ist ein gigantischer, eine gigantische Menge an jungen Leuten, die studieren geht, wo vor 30 Jahren diese Anzahl noch wesentlich geringer war. Das heißt, heute studieren immer mehr und mehr Leute. Gleichzeitig wird der Wert des Abiturs gesenkt, weil das Abitur weniger schwer ist. Damit es auch weniger fleißige oder weniger intelligente Kinder das Abitur schaffen können, wird das der Anspruch des Abiturs gesenkt, damit mehr Leute studieren können. Und dann passiert genau das, was damals meine Professoren gesagt haben. Ich erinnere mich an Grundkurs Mathematik. Wir saßen da in im Kurs, und der Professor hat angefangen, 20 Minuten zu referieren. Keiner hat ein Wort verstanden und alle gesagt: Ja, was? Und dann hat er gesagt: Entschuldigung, aber ich setze Leistungskurs Mathematik voraus. Das hier ist Hardcore Mathe, das ist Studium, das ist nicht Larifari. Und dann hat, als er gemerkt hat, keine Ahnung. Hat er sich dann dazu runtergelassen, könnte man sagen, in 20 Minuten Leistungskurs 12. und 13. Klasse damals in 20 Minuten durchzuhauen. Er hat in 20 Minuten komplett Algebra, Vektor Rechnungen, stochastisch, komplett nochmal durchgehauen und alle sagten: Mein Gott. Das war damals der Moment, wo ich dachte. Kann ich noch eine Ausbildung machen? Naja, wie gesagt, er hat damals auch gesagt zu mir. Er hat das Gefühl, dass viele Studenten einfach nicht da hingehören ins Studium, weil die wissen nix, nicht nur von wenigen wissen, sondern er hat gesagt, die haben nicht den Drive dazu. Diese Beharrlichkeit, die Disziplin, weil Studium, Studium hat wenig, glaube ich, zumindest mit Intelligenz zu tun. Studium hat vor allem mit Disziplin, Beharrlichkeit, sehr viel lernen, sehr viel arbeiten und immer wieder beharrlich hinsetzen zu tun, was scheinbar immer weniger der Fall wird. Aber das ist schon richtig gesagt. Ich würde auch mal bezweifeln wollen, dass diese Vorgabe von der Gesellschaft das ist der richtige Weg. Du musst innerhalb von fünf Jahren Bachelor, Master beendet haben. So wie ich es gemacht habe. Mindestzeit, den ganzen Kram dadurch gebloggt. Auf der anderen Seite muss ich sagen Ich habe das geschafft. Schön. Aber was habe ich dafür geopfert? Ich habe fünf Jahre lang nur studiert, nur gearbeitet, nebenbei, wie ein armer Irrer, kein Urlaub gemacht. Ich war nicht feiern. Ich habe diese ganzen typischen Studenten Sachen einfach nicht erlebt, und die Zeit, die kommt nicht zurück. Ich war nicht da, um mich auszuprobieren in Bali und nach Australien und da Work and Travel und andere erzählen mir Okay, ich habe nicht das gemacht, was du gemacht hast, ich habe nicht die Bücher geschrieben. Ich habe nicht die Erfahrung blablabla und den ganzen Kram gemacht. Aber ich habe andere Erfahrungen gemacht. Ich war in Australien. Ich war in Bali. Ich war mit der Charity Organisation irgendwo in Kambodscha unterwegs. Das ist auch eine Erfahrung, die was wert ist, nicht meine Erfahrung. Aber für die Person genau die richtige Erfahrung. Und du hast es ja auch geschrieben und auch gerade gesagt. Heutzutage ist es ja die Zeit. Das haben wir noch nie so krass gehabt in der Geschichte der Menschheit. Dass heute auf Grundlage dieser Vernetzung wir uns extrem ausprobieren können, können wir es machen. Ich kann überall hingehen ins Ausland, alle möglichen Leute. Ich kann einfach mal was probieren und sagen: Okay, hat nicht funktioniert. Shit happens mach es eben nochmal. Auf Grundlage dieser erhöhten Anforderungen, die wir haben im Studium beenden heute Leute das Studium nicht wie meine Generation, meine Eltern, die mit 17, 16, 17 angefangen haben zu arbeiten, heute fängst du mit 26 Jahren zu arbeiten, weil ein Studium einfach ewig dauert. Das heißt der ganze Prozess also zehn Jahre nach hinten gerückt. Gleichzeitig bedeutet das Wenn du Mitte 30, dann sagst: Okay mein Job ist nicht das Richtige. Ich wechsele noch mal etwas völlig anderes. Es ist ganz normal, mittlerweile. Vor 30 Jahren hättest du gesagt: Ach, du Scheiße, bleib lieber auf dem Kurs, du musst die Doppelhaushälfte finanzieren. Das finde ich so interessant. Deshalb würde ich und das machst du auch in deinem Buch ganz hervorragend mal zu hinterfragen: Was ist eigentlich Erfolg in unserer Gesellschaft? Was sehen wir als Erfolg an? Ist es Erfolg diese Routine zu haben mit der Doppelhaushälfte oder ist Erfolg das, was viele scheinbar immer glauben. Ich beschreibe in meinem Buch Rebellion im Hamsterrad als der Boss Hamster, der glaubt, er kann nur mit finanziellen, vielen finanziellen Mitteln aus diesem Hamsterrad raus. Und er muss ein Porsche haben. Er muss eine Rolex haben, er muss eine Penthouse haben und immer nur im Schein und Sein des Glanzes zu leben und zu repräsentieren, dass er erfolgreich ist, dass er etwas geschafft hat, aber ganz ehrlich was schaffen die Leute, die nur darauf aus sind, nach außen zu repräsentieren? Aber eben nicht so, wie du sagst im Inneren? Was ist da? Da ist gar nichts. Da ist keine Substanz. Da ist zwar der schicke Porsche auch die Wohnung, meistens eine hübsche Freundin bei oder ein hübscher Kerl noch dabei. Alles sieht gut aus, alles ist wie ein Theaterstück etabliert worden, aber nichts Reales. Es ist da, und deshalb würde ich das unterstützen wollen. Nachdem, was ich jetzt von Erfahrung gemacht habe, ist so, wie du es auch in einem Buch schreibt: Geh raus und mache einfach mal Erfahrung und lieber fliegst du auf die Nase, als wenn du sagst: Jetzt hast du zehn Jahre alles richtig gemacht, was du auch geschrieben hast: Fail Fast. Wie bewertet du das, dass dieses Fail fast, dass du falsche Entscheidungen, gehe Niederlagen ein. Wie siehst du das in unserer Gesellschaft heutzutage mit den Fehlschlägen? Weil wir in Deutschland, sagen wir tatsächlich: Fehlschlag ist etwas Schlimmes. Du hast ein Unternehmen in den Sand gesetzt. Oh mein Gott, ganz schlimm.

In den USA sagst du: Start up fail, shit happens, start again.

Carlo: Was? Nur einmal gescheitert?

Niclas: Und in Deutschland: Du hast was nicht geschafft? Du hast das Ding in den Sand gesetzt? Wie siehst du das? Diese Mentalität zum Thema Niederlagen und scheitern?

Carlo: Das ist eine insofern interessante Frage, weil natürlich gleich anmuten lässt, wenn es um 10 Dinge geht, die man nicht tun sollte, sind es jetzt alles 10 Dinge, an denen ich gescheitert bin? Also das nicht. Und es ist auch so ein Buch. Geht es auch einfach um Dinge, die, ich sage es mal so. Ich beschäftige mich einfach damit, was habe ich für Entscheidungen getroffen und warum? Und was kann ich daraus lernen? Und was kann unter Umständen auch der Leser daraus lernen? Und das hat dann insgesamt das Schreiben des Buches hat mir geholfen, mit dem, ich sage jetzt mal, „scheitern“ oder einfach nur damit umzugehen, wenn Dinge anders laufen als geplant. Und das passiert ja ständig. Das passiert immer wieder. Wir haben uns auch über Jordan Peterson unterhalten. Autor von 12 Rules for Life. Es ist einfach sensationell, wie er Dinge zusammenfasst, auf den Punkt bringt und auch, was für Umwege er macht, um Punkte zu machen, um irgendwie Sachen zu erklären. Was ich beim Jordan so interessant finde, ist, dass er sagt 80 Prozent des Lebens ist letztendlich Leid. Wenn wir überlegen, was unsere Vorfahren über Hunderte Jahre, über Tausende Jahre alles an Leid und an Schweren erlebt haben und trotzdem irgendwie was auf die Beine stellen konnten. Da kann ich einfach nur durchatmen, wenn ich an unsere heutige Zeit denke und sage: Ja, wir haben auch Schwierigkeiten. Und ja, Dinge laufen sicher anders als geplant. Nur so ist das Leben. Das ist etwas, was ich mir mehr und mehr mal so hervorrufe und klarmachte, dass ich glaube, die Menschen, die erfolgreich sind, die Leute, die ihre Ideen durchsetzen. Das finde ich mit einer der einfachsten Definitionen von Erfolg. Leute, die ihre Ideen vom Leben wirklich durchsetzen können, die haben die Fähigkeit, es auszuhalten, wenn Dinge anders laufen als geplant, als gedacht, als gewünscht, als gehofft. Und es wird so sein. Es wird so sein, dass die Dinge anders kommen als geplant, als gedacht, als gehofft, und das auszuhalten, da irgendwie einen kühlen Kopf zu bewahren, klaren Kopf zu bewahren. Wie geht es jetzt weiter? Was habe ich für Alternativen, in Optionen zu denken, in Alternativen zu denken? Das ist letztendlich was diese, was all die Geschichten mir gelehrt haben und warum die Geschichten oder die Beispiele, die ich im Buch bringe, auch was die zeigen, nämlich: Es geht immer noch weiter. Und es ist auch nicht so schlimm, wie du glaubst. Es ist nicht so schlimm wie du denkst. Die Geschichte mit Spanien zum Beispiel. Die ging so aus: Ich hatte einen Schotten kennengelernt, der hat ein Geschäft aufgebaut und hat kabelloses Internet verkauft. Und ich fand den Schotten super. Super Typ, Businessman, sehr lustig, total sympathisch. Und er hat halt jemanden gesucht, der in Spanien an Deutsche eben dieses kabellose Internet verkauft. Ich dachte mir: Warum nicht einfach in Spanien kabelloses internet verkaufen? Damals konnte ich nicht drüber lachen, aber heute sieht man, was habe ich mir dabei nur gedacht, und es ging ein Monat gut, und danach wurde ich gefeuert, einfach nur, weil ich keine Abschlüsse gemacht habe. Ich habe nicht verkauft. Wie auch? Da war die Urlaubssaison vorbei, da war kaum jemand da. Es war wirklich. Da schüttelt den Kopf. Aber ich muss halt an der Tür klingeln und sagen Ja, hallo hier, ich bins. Ich will Internet verkaufen. Also wirklich zum Scheitern verurteilt. Und das war bitter. Es ist richtig bitter. Da hatte ich keinen Job, und damit war auch die Spanien Geschichte durch und bin auch zurück nach Hause. Und ich bin bei einem wunderschönen sonnigen Spanien Tag abgeflogen und kam dann wieder an. Bei Regen, Dunkelheit, Kälte. Da komme ich jetzt zurück. Was mache ich jetzt so? Und das hat sich angefühlt wie Scheitern. Verdammt was hast du nur angestellt und was machst du jetzt? Ich habe mich halt selbst in Frage gestellt.  Es ging dann richtig gut weiter, weil ich mich dann weiter mit Golf beschäftigt habe. Habe dann ein Praktikum gemacht, im Golfclub und Golf unterrichtet, viel Golf trainiert, und dann ging es nochmal eine ganz andere Richtung. Und darauf folgte dann auch ein tolles Jahr nach diesem, nach diesem Jahr in Spanien. Nur der Punkt ist: Es war hart, es war schwierig. Es war auch körperlich schmerzhaft. Wo ich gespürt habe: Verdammt, das habe ich mir anders gewünscht, habe ich mir anders vorgestellt. Und gleichzeitig habe ich daraus wieder allerhand schöpfen können und mit der Zeit, da Perspektive zu gewinnen. Und das gilt bei mir, für viele Dinge im Leben, wo ich dann, wo ich jetzt schon darüber schmunzeln kann. Ich hatte 2017 einen Job. Das war einfach ein furchtbares Arbeitserlebnis. Kann ich anders nicht sagen. Das wünsche ich keinem, dass er mit einem Drachen zusammenarbeitet im Büro. Das waren harte Zeiten, und ich kann jetzt schon drüber lachen. Es sind keine zwei Jahre her und kann alle, alle möglichen Witze drüber machen. Einfach nur, weil ich zum Glück Perspektive gewinne und sage: Klar, es fühlte sich furchtbar an, falsche Entscheidung getroffen, da in dieses Büro zu gehen. Aber was draus gelernt. Weil ich auch über mich etwas gelernt habe, über Arbeit was gelernt habe, über meine Kollegen was gelernt habe.

Niclas: Ich finde, du sprichst etwas an. Das hat etwas in mir ausgelöst. Und zwar sei stolz auf deine Niederlagen, mal eine ganz andere Perspektive. Es heißt ja sei stolz auf deinen Erfolg. Aber vielleicht steckt in dem Erfolg eben auch die Niederlage. Richard Branson hat das damals geschrieben. Für den einen Erfolg musst du einfach hundert Mal auf die Nase fliegen. Und diese Niederlagen, wie Jordan Peterson es eigentlich mit anderen Worten sagt: Du musst leiden. Ich habe es in meinem Buch geschrieben, sei leidenschaftlich, weil zu dem leidenschaftlich sein gehört auch das Leiden dazu, einfach mal durch den Shit durchzugehen und Zeiten zu erleben, die einfach nicht schön sind. Ich kenne das auch. Ich habe so viel Mist und so viel Müll erlebt, und auf dem Blatt Papier klingt das immer so gut. Hat das gemacht, hat jenes gemacht, hat das erreicht, so, als ob wir so danach laufen würden, den schönen, einen schönen Lebenslauf zu haben. Was interessiert mich der Lebenslauf? Auf einem Blatt Papier sieht das alles super aus. Drei Büche, dies das, aber keiner weiß den Struggle, das Leid durch was du durchmusstest? Durch die, durch die schlaflosen Nächte, Monate, manchmal Jahre, nur Arbeiten, keine Ruhephasen. Und die Pein des kann sich kaum einer vorstellen. Wenn man es nicht komplett alles erzählt. Aber ich glaube tatsächlich rückblickend, dass es genau die Dinge sind, die am wertvollsten sind von der Erfahrung und ich glaube nicht nur, dass es beruflich so ist. Ich glaube auch, dass es im privaten Kontext so ist, wenn Menschen sich zwischenmenschliche Beziehungen angucken, sei es intime Beziehungen, und sei es als freundschaftliche Beziehung. Beziehungen, egal welcher Form in meinem Leben zu mindestens die mir am meisten gebracht haben für meine Entwicklung als Mensch sind die Beziehungen, wo ich entweder hintergangen wurde, wo ich betrogen wurde, wo ich belogen wurde, wo ich ausgenutzt wurde, schlechte Beziehungen, wo ich zurückblicke und sage: Das will ich nicht nochmal haben. Aber da habe ich, habe ich das meiste gelernt, auch wie ich mit dem Menschen umgehen kann. Ich habe schon mit so vielen Leuten zu tun gehabt, darunter Psychopathen, Soziopathen, Narzissten. Alles Mögliche an Sachen erlebt. Auch im Geschäftlichen wo ich mir denke: Was hast du da durchgemacht, aber heute einfach weiß, ganz anders damit umzugehen und auch eine gewisse Ruhe damit gefunden habe. Also ich glaube, Leiden gehört dazu, und man muss leiden, anstatt immer davon wegzugehen. Ich habe das Gefühl, wenn ich im Gespräch mit einigen Leuten bin, wenn sie sagen, ich will das, ich will dies nicht, will das nicht. Aber das ist so anstrengend. Das bringt mich ja zum Leiden, weil sie ganz genau wissen Das, was ich da tun muss, dieser Weg, der bringt mich zum Leiden, der sieht nicht sexy aus. Das ist nicht toll, das tut erst einmal weh. Das tut lange weh. Aber wer ein Sixpack haben will, muss auch durch das Workout durch. Das funktioniert nicht von alleine. Man muss durch den Shit durch. Aber ich habe das Gefühl, dass Menschen vor dieser Pein vor dem Leid Angst haben.

Carlo: Irgendwo verständlich. Klar, ich meine, ich habe jedes Mal Angst vorm Eisbach, wenn ich den Eisbach sehe.

Niclas: Aber du hast ja, du hast ja, wenn du da in diese Kälte springst. Am Anfang hast du Angst. Du gehst ja da rein, und wenn du rauskommst aus dieser Phase, fühlst du dich gut oder fühlt sich gut an.

Carlo: Hervorragend. Das kann man nicht beschreiben. Es ist ein wunderschönes Gefühl. Und auch wenn der Körper schmerzt, irgendwo in den Fingerspitzen, Zehenspitzen spürst es zuerst, nicht so richtig beweglich die Hände. Der Schmerz ist irgendwie wohltuend. Ich habe mich dem Schmerz gestellt. So kann ich es beschreiben. Und wenn wir das jetzt, wenn wir das jetzt summieren. Du hast vorhin gesagt: Man muss leiden. Ich finde beim Wort müssen, werde ich immer sehr hellhörig, weil es auch irgendwie missbraucht wird. Du musst studieren, du musst zur Schule, musst irgendwie dies und das machen. Und ich schreibe auch gern, was es, am Anfang des Buches, am Ende des Tages musst du nichts machen. Das ist schon schlauer, darüber nachzudenken, Dinge zu wählen. Müssen in meiner Welt bedeutet: Es ist etwas, was wir uns nicht aussuchen können. Etwas, was unausweichlich ist. Die Erde muss sich um die Sonne drehen. Und du musst leiden, finde ich. Passt da sehr gut, weil wenn du nicht Wege findest, für das zu leiden, was du willst, was du, was du dir als Ziel setzt. Dann musst du langfristig darunter leiden, dass du nicht das Leben lebst, was du dir wünscht. Und das ist das härteste Leid, das ich bisher erkannt habe. Dieses Gefühl: Scheiße, mein Leben driftet da irgendwie vor mir weg, und ich bin nicht bereit, jeden Tag diese kleinen Leiden irgendwie in Kauf zu nehmen oder manchmal auch größeren Leiden. Irgendwie ein krasses Telefongespräch. Härteres Gespräch mit einem Kunden oder mit dem Chef oder sonst was. Das alles so kleine, leidens Momente, größere oder kleinere oder vielleicht schwierige Gespräche mit dem Lebenspartner oder überhaupt einfach in manchen Situationen die Wahrheit zu sagen. Ich habe Scheiße gebaut oder du hast scheiße gebaut. Das sind Momente der Begegnung, wo es schwierig wird. Nur wenn wir denen aus dem Weg gehen, wenn wir diesen Dingen tagtäglich oder wöchentlich aus dem Weg gehen. Das summiert sich über die Jahre, und dann kumuliert sich ein Leid, das es wie viel härter zu ertragen als ein paar kalte Finger im Eisbach.

Niclas: Interessanter Gedanke. Das Leid kann sich tatsächlich auch summieren. Und irgendwann bricht es dann aus, wenn ich nicht jeden Tag ein bisschen was davon annehme, das ist ein interessanter Gedanke. Den habe ich noch so gar nicht gehabt. Zum Thema Angst: Ich habe immer das Gefühl, Angst würde immer als etwas Negatives gesehen. Ich glaube tatsächlich sogar, dass Angst etwas Positives ist. Wir haben diese verschiedenen Ängste, diese Urangst, die wir haben, Gefahr. Wir sehen irgendwas. Wir sind da gerade, und jemand kommt auf mit Messer auf uns zugelaufen. Die Angst ist die Gefahr, die ist real. Allerdings die Angst ist nicht real, ist ja nur in unserem Kopf. Kampf oder Fluchtgefahr? Okay. Aber die Angst, die wir in unserem Kopf uns erstellen, die wir uns vorstellen was könnte alles passieren? Es kann ja alles passieren, so wer weiß. Die meisten Dinge passieren, die guten, aber auch die schlechten Dinge. Das ist einfach schizophren, illusorisch zu denken, dass immer nur die guten Dinge im Leben passieren. Es passieren die guten, aber es passieren eben auch die schlechten. Ich erinnere mich an diesen Dualismus. Das Leben ist es deshalb, oder damit gibt es alles oben, unten, links, rechts, schwarz und weiß. Immer diese dualistische Frage, wenn ich etwas Gutes haben will im Leben, muss ich dazu auch etwas Schlechtes haben im Leben. Für mich war es bisher, wenn ich zurückblicke, so, dass, wenn ich etwas Gutes erlebt habe, ich ein äquivalent am Schlechten oder am Harten dafür einfach erleben musste. Wenn ich den Moment haben möchte, als Beispiel bei Büchern zu bleiben, dass ich mein eigenes Buch hochhalte und sage: Wow, ich habe wieder ein Buch geschrieben oder ich habe schon mein erstes Buch geschrieben und diese Freude empfindet. Vorher musste ich durch die Pein, durch mich jeden Tag hinzusetzen, morgens früh aufzustehen, während andere noch schlafen und zu schreiben, zwar monatelang, Monate, über monatelang oder workout zu machen, laufen zu gehen, wenn ich Marathon laufen will. Bis zu diesem Moment, wo ich durch die Ziellinie komme und weiß: Okay, wow ich habe es geschafft und dieser Adrenalinflow, der dann kommt, wo ich mich einfach gut fühle, dass ich vorher diesen schmerzenden Weg habe. Aber ich will mal ja ganz offensichtlich hinterfragen. Ist Angst etwas Negatives oder können wir auch Angst als das hinnehmen, dass wir sagen: Angst ist was Positives? Ich empfinde gerade Angst. Das heißt, ich bin auf dem richtigen Weg. Oder ist das eigentlich nur so ein Symbol dafür? Ich bin auf dem falschen Weg. Ist Angst nicht möglicherweise ein Symbol dafür, dass es sagt: Okay, du bist gerade an der Schwelle, deine Komfortzone zu durchbrechen. Jetzt entscheide. Willst du mehr? Dann sei bereit zu leiden oder macht den Schritt zurück. Dann leidest du nicht, wirst irgendwann mal exzessiv leiden, aber dafür musst du jetzt durch. Mir fällt dazu zum Beispiel die Geschichte ein von einem Bekannten, von mir, Oliver, der hat, als er 15 war, es bei dem Krebs diagnostiziert worden, mit 15 Krebs. Und er hat den Krebs besiegt. Der hat das geschafft. Mit 15 hat er dann den Krebs besiegt, als er irgendwas mit 16 war, hat heute aber dadurch durch dieses Leid eine ganz andere Philosophie zum Leben und auch zur Lebenszeit. Zum Erleben und Durchleben. Dass er später Biologie, Journalismus studiert hat und dann durch Umwege Surflehrer wurde. Richtig abgefahrene Story und heute eigentlich für so ein Magazin arbeitet, wo es um Surfen geht, um Surfbretter und seiner Passion nachgeht und sagt: Ich mache genau das mit meinem Leben. Der war mit 30 noch nicht verheiratet, alle sagen: Wie kannst du mit 30 noch nicht verheiratet sein? Shit happens. Ich mache das mit meinem Leben, was ich will. Ich weiß das Leben kann sofort enden. Ich habe die Krankheit gehabt. Ich habe dem Tod ins Auge geblickt. Ich weiß, wie es ist. Ich habe das Leid, ich habe die Angst gehabt. Aber ich weiß, jetzt habe ich eine ganz andere Angst. Und zwar nicht das Ich, dass ich irgendwann sterbe, sondern ich habe die Angst, dass sich die Lebenszeit dazwischen zwischen jetzt und dem Tod nicht bewusst erlebe. Und das ist ja auch etwas, was du in seinem Buch schreibt: Geh nicht einfach irgendwen weg, der als der Status quo angezeigt wird, der einfach normal scheint für die Gesellschaft, sondern geh den Weg, den du für dich am besten identifiziert. Die schwierige Frage dabei ist einfach nur: Was ist richtig für mich? Was ist richtig und was ist falsch? Kannst du, würdest du sagen, du hast nur deinen Weg gefunden durch trial and error? Einfach probieren und auf die Nase fliegen?

Carlo: Ich weiß noch nicht einmal, ob ich jetzt schon meinen Weg gefunden habe. Also wenn ich mir vorstelle, was das Leben zu bieten hat und vor allem, was ich noch für Potenziale zu entfalten habe. Im Leben, denke ich, habe ich noch sehr viel zu lernen und sehr viel zu tun. Und ich habe insofern mein Weg gefunden, als das ich auch erkannt habe, was für mich nicht funktioniert. Also zum Beispiel ein Bürojob, nine to five. Das funktioniert nicht für mich. Keiner will mich in seinem Büro haben, weil ich halte es einfach nicht aus in diesem Rahmen, in diesem Konzept. Und das ist etwas, das wollte ich nach dem Studium nicht unbedingt erst einsehen, weil ich ja dachte: Bequem einfach nur ins Büro setzen, mich mit ein paar Sachen beschäftigen, die mich interessieren. So ist es nicht. Hab mir die Jobs schon so ausgesucht, dass es interessant war, aber einfach dieses Format. Ich würde sagen eine Sache, die ich für mich gelernt habe oder erkannt habe, was für mich wichtig ist. Es ist, dass ich das Gefühl habe, ich kann über meine Zeit einfach autonom entscheiden. Ich kann entscheiden, wann ich arbeite, wie viel ich arbeite und damit auch, wie viel ich verdiene. So ist es auch momentan, was mir hilft, da täglich in die Gänge zu kommen und wirklich einfach gerne zu arbeiten. Ich habe dieses Jahr jeden Tag gearbeitet. Es gab keinen Tag, an dem ich nicht gearbeitet habe. Und ich wünschte, es wäre nicht Weihnachten, weil dann könnte ich arbeiten. Und das meine ich wirklich im positiven Sinne. Ich bin kein Workaholic, der den ganzen Tag arbeitet. Aber ich arbeite jeden Tag, weil das, was ich tue, weil ich es einfach gerne mache. Ich bin neben den Seminaren auch im Sales. Es ist meine Haupteinkommensquelle und die Seminare, das baue ich auf. Und bei Sales, da bin ich einfach am Telefon, schreibe E-Mails, und ich kann machen, was ich will, wo ich will. Wenn ich jetzt im Golfurlaub auf Mallorca bin, und das war jetzt im November, habe ich meinen Computer auch dabei, und ich arbeite, und ich will auch arbeiten. Und das ist etwas, wo ich gemerkt habe: Okay, das sind so, es wäre vielleicht das zweite, das erste ich kann, dass ich die Rahmenbedingungen, dass die relativ frei und flexibel sind. Und dass ich arbeiten kann, wann ich will, wie ich will. Das ist sehr wichtig und weitere Dinge, die schon entscheidend für mich sind. Zum Beispiel, mit wem ich arbeite. Ich bin persönlich, bin der Meinung, dass wir die Arbeit gar nicht so sehr abhängig machen müssen vom Inhalt, sondern mit dem richtigen Team kann ich nahezu jede Aufgabe machen.

Niclas: Wie würdest du, würdest du das unterstreichen und sagen: Weil das, was du sagst, widerspricht ja eigentlich dem Punkt, dass man sagt: Okay, mach etwas, wofür du brennst, was ja eher der Inhalt ist eigentlich egal, solange du es nur machst mit Menschen, mit denen es Spaß macht, mit denen du etwas kreieren kannst, mit dem du etwas erschaffen kannst. Das würde ja dementsprechend, brennen musst du für deine Arbeit ja eigentlich nicht.

Carlo: Ja. Also, es ist die Frage, wofür ich dann in der Arbeit brenne. Ich reduziere das gerne für mich auf die Dinge, die ich meine Werte nenne. Etwas, über das ich in den letzten Jahren nachgedacht habe. Dass ich mich frage: Was ist mir jetzt wirklich wichtig im Leben? Und dazu zählt zum Beispiel Kommunikation, alles, was irgendwie mit Kommunikation zu tun hat. Da werde ich hellhörig. Da höre ich gerne zu. Stelle ich gerne Fragen, lese ich gerne Bücher. Da rede ich auch den ganzen Tag gerne drüber. Und daran erkenne ich auch: Das ist etwas, das es mir eigen. Klar, es gibt auch andere Leute, die sich für Kommunikation interessieren, aber nicht für die gleichen Themen und nicht auf die gleiche Art und Weise. Sondern ich gehe da gerne sehr psychologisch philosophisch ran. Ich arbeite im Sales. Ich bin am Telefon. Ich kommuniziere. Ich habe Kunden, mit denen ich mich irgendwie zurechtfinden will, aber auch Kollegen. Die sind am Telefon. Wir geben uns nach jedem Call geben wir uns Feedback. Wie hast du das gemacht? Wie hab ich das gemacht? Und das ist ein Mechanismus, um uns zu verbessern. Und gerade in diesen zwei, drei Minuten, da, wo wir Feedback geben. Da gehe ich dann jedes Mal auf und ich höre sehr genau zu, was die anderen sagen. Und nicht alle meine Kollegen sind Leute, mit denen ich gerne Bier trinken würde. Aber in unserem Unternehmen ist der Rahmen so, dass Kommunikation und Kommunikation lernen ein ganz wesentlicher Teil ist, weil das im Sales gebraucht wird und das, was ich meine, wenn ich sage: Okay, da kann ich dann bei, weil ich weiß, Kommunikation ist mir wichtig. Es ist ein grundlegender Wert, den ich leben möchte. So drücke ich das dann aus. Und jetzt? Bei mir im Sales muss man dazusagen: Ich brenne für die Dienstleistung, die ich verkaufe. Ich glaube hundertprozentig an diese Dienstleistung. Und dann macht es natürlich viel einfacher, auch beim Kunden das Feuer zu entfachen. Also, es geht. Das heißt, ich würde nicht sagen einfach nur ständig in ein Vakuum von Interessen und Hauptsache das richtige Team. Nee, so ist es nicht gemeint, sondern selbst wenn die Inhalte nicht hundertprozentig auf dich passen. Weil Ich habe Philosophie studiert, Sales und Unternehmensberatung und Wirtschaftsprüfung jetzt nicht unbedingt so das erste Ding. Aber die Teams haben da für mich einen wesentlichen Unterschied gemacht, und Werte machen für mich einen wesentlichen Unterschied. Und ich habe eben die Freiheit, und vielleicht ist das damit eines der wichtigsten Dinge. Ich habe die Freiheit, die Dinge in der Firma auszuleben, und deswegen kann ich das alles gut vereinbaren.

Niclas: Inwieweit? Lassen uns nochmal damit diesen Schwenk zu deinem Buch und wieweit hat dein Philosophiestudium dir da geholfen, weil viele sagen ja immer: Ja, Philosophiestudium weiß ich nicht. Was macht man damit, dass es so wie damals mein Gedanke, als ich 18 war? Ich studiere jetzt mal Sinologie. Was machst du damit? Das war die große Frage. Gute Frage. Inwieweit hat dir dein Philosophiestudium auf deinem bisherigen Weg geholfen und dich unterstützt?

Carlo: Philosoph war ich, das habe ich erst in den letzten Monaten festgestellt. War ich schon, bevor ich studiert habe, einfach, weil ich ein Mensch bin, der gerne nachdenkt, gerne Fragen stellt und sich über tiefe gehende Themen beschäftigt, über die sich andere nicht unbedingt beschäftigen möchten. Ich könnte zum Beispiel auch jetzt eine Stunde lang über den Tod reden. Ich finde es ein total spannendes Thema. Aber so wie ich meist das Feedback der meisten Leute so gelesen habe, ist sie ja. Die unterhalten sich nicht gerne über solche Themen, weil es irgendwie auch schwierig ist, unangenehm. Ganz genau muss es aber nicht sein, und da kommt das Philosophiestudium rein ins Spiel. Weil Philosophie hat mir geholfen, Denken zu lernen. Und das ist nicht etwas, was abgeschlossen ist. Ich glaube, es gibt keine Meister im Denken, sondern ich denke, es hat mir dadurch, dass ich andere Gedanken gelesen habe, andere Denker gelesen habe. Hat es mir Zugang zu einer gewissen Denk Struktur gegeben, Dinge zu hinterfragen. Und im Philosophiestudium schreibst du sehr viel. Und indem ich schreibe, merke ich auch, wie klar meine Gedanken sind, wenn ich schreibe und irgendwie, wenn: Ich komme jetzt irgendwie nicht weiter. Dann ist es irgendein Anzeichen. Ich habe es nicht kapiert. Ich habe den Autor nicht kapiert, und was zum Beispiel auch toll war waren beim Schreiben irgendwie so meinen eigenen Stil zu finden und nicht mal meinen eigenen Schreibstil, sondern auch mein eigener Denkstil. Als Beispiel: Es ging um einen Essay. Da hab ich. Ich kam. Das war antike Philosophie und irgendwie die Sprache war schon ein bisschen zäh, und ich dachte: Heraklit, Parmenides. Ich habe einfach damit angefangen. Heraklit war für mich der Harri. Dafür war er plötzlich sehr viel näher. Und der Parmenides der P-Man. Das war in diesen zwei Worten, kann ich mal ein bisschen herunterbrechen, dass das irgendwie glorreiche Denker sind. Und so habe ich noch meinen Essay geschrieben. Mein Essay war dann irgendwie so Ich habe einfach nur hier und da mal ein Witz eingebaut oder so was, ja irgendwie mal ein bisschen lockere Sprache gewählt. Und dann mein Dozent schrieb dann auch so daneben als Kommentar, als er es korrigiert hat: Ja nicht witzig oder gehört nicht in den Rahmen eines akademischen Essays. Und das gute ist, ich habe eine Zwei plus gekriegt für diesen Kurs am Ende des Tages. Weil ich habe schon das respektiert, was mein Prof da von mir wollte. Aber gleichzeitig habe ich nicht nachgegeben, einfach nur für die Note und Akademie und so akademisch, sondern einfach die Scheuklappen offengehalten und gesagt: Es ist mein Studium. Es ist mein Essay. Ich will davon lernen, und ich kann nur lernen, wenn ich es irgendwie personalisiere. Ich kann nur davon lernen, wenn ich einen Weg finde, die Dinge auf meine Art und Weise zu machen. Und dass ich dann noch eine gute Note bekommen habe, hat mich darin bestätigt. Und das ist das Schöne am Studium gewesen. Es war klar: Das sind so viele schöne Gedanken, so viele schöne Zitate, so viele tolle Denker und auch die Verbindung zwischen all den tollen Denkern. Einen Überblick zu kriegen, das war alles schön und gut nur: Es ist vielmehr eine Grundlage gewesen, Dinge zu entschlüsseln. Und wenn ich heute ein Buch lese, habe das Gefühl, ich traue mir viel mehr zu, Dinge besser zu verstehen. Ich traue mich, Dostojewski zu hören. Und auch wenn ich Dinge nicht kapiere, auch dann kann ich damit leben, weil ich sage Ich muss nicht alles verstehen. Ich muss nicht wirklich überall durchdenken und alle Querverweise verstehen und so weiter, sondern irgendwie eine gewisse stabile Denk Grundlage im Kopf, die es da und das gibt mir Selbstbewusstsein, dann auch schwierige Denker oder krassere Themen anzupacken und dazu nicht einfach eine Meinung zu haben, sondern wirklich das Gefühl zu haben, fundiert etwas beizutragen und dann auch weitere Bücher zu anderen Themen zu lesen und wirklich sagen: Okay, nee, ich kapiert, dass das, was ich kapier. Da kann ich mit Selbstbewusstsein vertreten und nicht einfach nur Zitate raushauen, die irgendwie leer sind. Und das ist, was das Studium ja ermöglicht hat. Ein Freund von mir, der hat Philosophie studiert und legt das Medizinstudium drauf. Was für eine geniale Verbindung, weil mit Philosophie da musst du dich mit Menschen beschäftigen, und das ist in der Medizin nicht anders. Ich sehe Philosophie grundsätzlich als tolle Grundlage fürs Leben. Grundlage für Kommunikation. Grundlage fürs Denken. Grundlage Dinge zu hinterfragen und zu verstehen. Und dafür war es eine riesen Hilfe.

Niclas: Ich habe zwar keine Philosophie studiert, aber ich setze mich sehr gerne mit antiker Philosophie auseinander. Ich bin ein riesen Fan, eine riesen Fan vom Stoizismus, komplett alles von Recht der Stoa, angefangen bei Seneca bis hin Marcus Aurelius. Also wenn ich Meditation, glaube ich, das ist von Marcus Aurelius oder die Überlieferung von Seneca lese. Rein zum Thema Stoizismus. Über Stoizismus bin ich btw ja auch zum Minimalismus gekommen. Einer der Gründe, warum ich heute nicht mehr so viele Sachen besitze, wie es mal der Fall war. Weil ich habe gesagt, ich will einfach diese Philosophie umarmen und einen Teil meiner Persönlichkeit auch machen. Deshalb glaube ich tatsächlich Philosophie ist ein Schritt der Persönlichkeitsentwicklung, der Persönlichkeitsentwicklung als per se Thema ist ja heutzutage ein Riesending.

überall poppen hier und da Bücher auf und Audible ist voll von dem Kram. Überall sind irgendwelche Gurus mit irgendwelchen Seminaren. Und Shaka, Shaka, Klatschen, Hände, Luftballons. Aber viele der Grundgedanken findet man eigentlich in der Philosophie wieder. Ganz natürlich. Sehr viele dieser Grundgedanken und viele der Gedanken, die ich mir übers Leben mache, ich mache mir tiefe Gedanken über verschiedene Sachen, finde ich tatsächlich auch immer wieder in der Philosophie wieder. Ich habe gelesen, was Ryan Holiday schreibt ja, einige Sachen über einen Stoizismus, ja auch ein ganz großer Anhänger des Stoizismus und viele Sachen, wo ich mir Gedanken drüber gemacht habe, die finde ich bei Ryan Holiday wieder. Zum Beispiel: Ego ist the enemy. Klasse Buch. Wo ich dann gelesen habe, dachte ich mir auch, schon Gedanken darüber gemacht und dann holt er diese philosophischen Gedanken, die 2000 Jahre alt sind, hervor. Und da waren Denker, die haben das mal ganz anders beleuchtet. Die Kernidee war vielleicht fast die gleiche, aber die habe es einmal ganz anders beleuchtet, und das erweitert den eigenen Horizont. Und führt nochmal dazu: Ich kann das Problem ganz anders entschlüsseln, es oft ganz anders betrachten, aus einer ganz anderen, aus einer anderen Richtung, einen ganz anderen Blickwinkel einnehmen. Auf Grundlage dieser philosophischen Gedanken habe ich mir vor allem erst einmal die Frage gestellt: Ist das überhaupt richtig? Ist das überhaupt richtig, was ich denke, wenn ich mich erinnere: Ich war 19, hab mein Abitur gemacht, bin also los zum Studium und dachte Ich bin der König der Welt. Ja, ich habe Abitur. Was will mir die Welt? Dann hatte ich Bachelor-Studium da. Ich bin hier, ich bin hier der Betriebswirt. Dann hab ich meinen Master gemacht. Jetzt war ich mit Diplom-Betriebswirt. Wer hat schon Master, viele haben Bachelor, aber nicht so viele Leute haben Master. Jetzt komme ich. Welt steht mir offen. Ich zeige euch jetzt mal, was abgeht. Bin dann mit 23, 24 habe ich meine Master, bin in die Welt gegangen, bin erst einmal voll auf die Fresse geflogen, weil ich gemerkt hat: Scheiße, du weißt eigentlich gar nix. Mir wurde relativ schnell klar: Verdammt, ich weiß, ich weiß gar nix. Ich hab Riesenglück gehabt, dass ich einen Mentor an in den letzten Jahren an meiner Seite gehabt habe, der einfach Hardcore mit mir war und mir immer eingeschenkt hat volle Granate und mich auch bewusst fertiggemacht hat, um mich mal wieder runter zu holen von dieser hohen Position. Ich bin ja Master, Diplom und Betriebswirtschaft, mich mal wieder runter auf die Tatsachen geholt. Das hat stark geholfen, und diese philosophischen Gedanken haben mir dabei einfach die Augen geöffnet. Bisschen weit gegriffen, aber dabei geholfen zu hinterfragen liege ich überhaupt richtig? Und wenn ja, was heißt richtig zu liegen? Das heißt es, dass ich meine Gedanken wahr sind. Und dann würde ich fragen: Was ist Wahrheit? Was ist wirklich, wahr für mich, weil Wahrheit ist in erster Linie einfach nur eine subjektive Wahrnehmung des Individuums, also von mir. Das führt mich zu der Frage, die habe ich bis heute noch nicht gecrackt:. Die Frage ist Was ist real, was ist wahr? Was ist real für mich? Oder ist nicht einfach nur die Welt eine Repräsentation meiner Gedanken und das, was ich für real und für wahr halte? Und das wiederum hat mich zu dem Gedanken geführt. Ich habe keine Ahnung. Ich habe das heute noch. Ich war in Frankfurt, hab wieder meinen Vortrag gehalten und wurde danach gefragt. Von einem relativ jungen Mann. Ich schätze mal so Ende 20, irgendwas hat mich dann gefragt, wie ich das denn zum Thema Erfolg sehe. Und dies und das. Wie sind Sie denn da erfolgreich geworden in dem Bereich? Welche Erfahrungen können Sie da mit mir teilen? Welchen Tipp können Sie mir geben. Dann habe ich gesagt: Keine Ahnung. Nur weil ich Bücher schreibe oder Vorträge halte, heißt ja noch lange nicht, dass ich zu allem alles weiß. Das muss, was ich hab das auch mein Buch geschrieben, alles, was ich sage, das, was ich von mir gebe, ist nur eine Meinung, aber nicht die Wahrheit. Deine Wahrheit mag eine andere sein als die meine. Ich kann auf Grundlage von Referenz Erfahrungen, die ich gemacht habe, verschiedene Erfahrungen weitergeben oder Dinge, die ich mir angelesen hab. Empirische oder akademisch ausgewertete angebliche Fakten kann ich weitergeben. Aber selbst die sind ja in erster Linie nur eine Meinung. Die meisten Statistiken, ich kann eine Statistik nehmen und sie auf acht verschiedene Blickwinkel betrachten und auf acht verschiedene Blickwinkel übergeben und eine ganz andere, eine ganz andere Message rausbringen. Wenn ich sage, 60 Prozent der Menschen sind unglücklich, dann kann ich sagen: Von 100 Prozent sind 40 Prozent der Leute super glücklich. Ich kann es genau andersrum auch drehen. Wenn es eigentlich nur eine verzerrte Darstellung der Realität, eine Statistik. Genauso ist es ja auch mit der Wahrheit. Ich habe bis heute noch nicht herausgefunden. Wahrscheinlich werde ich es auch niemals. Was denn wirklich real ist? Eines weiß ich definitiv. Und zwar, dass ich eine ganze Menge nicht weiß. Mein Dozent damals hat bei mir den Kurs Unternehmensführung gegeben, hat damals zu mir gesagt. Nachdem ich meine Bachelorarbeit geschrieben habe, hat er gesagt: Herr Lahmer, schauen Sie mal. Das Leben ist ein bisschen schwierig für Menschen, die was im Kopf haben. Wie meinen Sie das? Schauen Sie das Paradox dabei ist Intelligente Menschen sind unglücklich, denn sie wissen, was sie alles nicht wissen. Während der dumme Mensch, der ignorante Mensch, der weiß nicht, was er nicht alles weiß. Dementsprechend ist er glücklich. Je mehr Sie an Wissen blockieren werden in Ihrem Leben, desto mehr Sie gewinnen desto unglücklicher werden Sie, weil Sie in der Masse verstehen, wie wenig Sie eigentlich wissen, obgleich das, was Sie wissen, super viel ist. Aber in der Masse an Wissen, was es alles gibt, was sie alles lernen könnten. Rein theoretisch wissen sie eigentlich gar nichts. Und das wird mir heute immer bewusst, wenn ich, wenn ich, selbst wenn ich denke, manchmal gut und ich habe das richtig gut gemacht. Und ich komme von der Bühne runter. In Stuttgart komm von der Bühne runter Publikum, 1200 Leute, tosender Applaus. Denke mir, wow, Lahmer, du bist der geilste. Richtig gut gemacht, komm von der Bühne. Fühl mich richtig super. Und bei dem Runtergehen von der Bühne fällt mir eigentlich auf. Quatsch! Ich habe das in meinem Buch geschrieben mit dem Titel. Wenn man es mit dem Kapitel Untertitel: Mach dich unwichtig. Weil wir tendieren dazu, als Mensch uns wichtig zu machen. Ich auch. Ganz ehrlich. Logisch, weil wir denken, wir sind wichtig. Und in dem Moment, als ich von dieser Bühne unterschritt und dieses noch dieses echte, tobender Gefühl habe. Was man so als Redner hat. Fällt mir eigentlich ein Quatsch nach dir, kommt wieder ein Redner und er wird auch richtig gut sein. Der wird auch den Vortrag einstudiert haben und ihn auswendig kennen und seine Dramaturgie beherrschen und dies und das und jenes so ein Experte sein. Da würde auch gut sein. Und er wird auch tosenden Applaus oder noch besseren Applaus bekommen. So doll bist du gar nicht. Und dieses damit zurück zu der Frage, wo wir endlich herkommen. Dieser philosophische Grundsatz der der Stoa, der Stoiker, dieses mache dich unwichtig und werde dir bewusst darüber, auch wenn du viel erreichst. Auch wenn du Erfolg hat. Wie auch immer wir Erfolg definieren wollen. Andere haben das auch, andere sind auch besser oder noch besser oder sind nicht so gut. Aber brauchen deine Hilfe. Einfach mal wieder auf diesen Boden runterzukommen, das hab ich extrem gehabt. Ich hab mich mal so mit 24, hat mich so was von Erfolg zerrissen, um wieder in der Realität anzukommen. Ich glaube, das gehört einfach zu diesem Grundsatz der Persönlichkeitsentwicklung dazu, einmal vollkommen zu hinterfragen: Was bin ich, was will ich tun? Und das tust du ja auch in deinem Buch, sondern lass uns damit den Schwenker wieder mal zu hinterfragen. Was bin ich? Wer bin ich? Was will ich sein? Wer will ich sein im Leben? Und vor allem Was will ich hinterlassen? Noch mehr. Und das schreibt so ganz am Anfang in deinem Buch: Nicht mehr als nur Geld verdienen, Geld, Geld, Geld und immer mehr Geld und Ressourcen anhäufen, Ressourcen anhäufen und immer mehr, mehr und mehr und mehr. Wir haben ja darüber gesprochen, dass uns das ruhig noch mal hier in dem Rahmen tun. Wenn man jung ist. Meine Zahl war damals, ich werde Unternehmer. Ich will hundert Millionen verdienen. Meine Zahl war 125 und dann kommt man einfach wieder zurück auf den Boden der Tatsachen und merkt Okay, Ziele sind gut, und die Hausnummer ist auch schön. Aber was brauchst du wirklich? Und wenn du dann mal hochrechnet: Was brauche ich an Miete, Lebensmittel, Urlaub, Auto? Dies alles mal so runterrechnest und dann hochrechnet auf die Jahre, die du lebst oder prognostiziert noch leben wirst, kommst du sowieso auf einen Betrag, der zwischen 1,5 und sieben Millionen steht, völlig völlig auf einem anderen Stand von hundert Millionen. Aber man hat irgendwie diese Gedanken. Mir hat das einfach mal diese philosophische Grundfrage: Wer bin ich, was will ich sein? Und was will ich hinterlassen? Dazu geholfen, einfach mal auf den Boden der Tatsachen zurückzukommen.

Das halte ich für extrem wichtig, extrem wichtig.

Carlo: Unabhängig davon, in welcher Lebensphase wir uns befinden. Ich habe schon mal erzählt von dem Orakel, was ich mit Freunden regelmäßig treffe. Ein Mann Mitte siebzig, auch ein Philosophieprofessor aus Hawaii, Amerikaner. Wir setzen uns einmal im Quartal zusammen, also Freunde, Geschäftspartner, er und ich. Und er ist letztendlich derjenige, der die meisten Fragen stellt in der Runde. Er ist derjenige, der am meisten irgendwie lernen will, sich Notizen macht und allerhand an alles Mögliche. Dabei ist eigentlich der, von dem ich jetzt denke, er ist der Wissenste, der in der Runde. Er sitzt da wie ein Anfang 20-Jähriger mit offenen Augen und tell me more, this is so exciting. Ja klar, ich weiß, ich weiß es. Aber das Schöne ist mit ihm. Wenn wir damit fertig sind mit der Runde, dann fragt er immer gerne: Haben wir jetzt genug Chaos angerichtet? Weil er natürlich auch Fragen stellt, die Dinge hinterfragen, die wir machen. Und das hilft auch, einfach wieder auf den Boden der Tatsachen zu kommen. Wie du jetzt gerade gesagt hast oder wie soll ich sagen, einfach wieder in ruhigeres Gewässer zu kommen und zu sagen: Okay, es gibt einfach allerhand Dinge, die ich noch nicht weiß, die ich noch nicht kann. Und es wird auch immer so bleiben und damit irgendwie in Frieden zu kommen, zu verstehen: Ich werde nicht immer alles verstehen. Das ist auch etwas, was so wächst mit dem Erwachsenwerden, und muss ich sagen, genieße ich auch sehr, weil ich dann auch nicht den Anspruch habe, alles zu wissen und alles zu können und auch alles zu sein. Jeder zu sein ist ja auch total anstrengend.

Niclas: Mit dem Gedanken möchte ich mich gar nicht befassen. Ich will mal hinterfragen, mal gucken, was du sagst. Inwieweit hilft bei dieser Fragestellung brutale, wirklich brutale Ehrlichkeit zu sich selbst? Wir Menschen neigen dazu, uns selbst zu täuschen, uns selbst abzulenken, uns selbst zu belügen. Die schlimmste Lüge. Wie gesagt, ich habe ein Buch darübergeschrieben, was Lügen, erkennen und Lügen allgemein. Die schlimmste Lüge, die wir, die wir erzählen, ist die Lüge, die wir uns selbst erzählen. Wir belügen uns selbst, indem wir uns selber etwas schönreden oder schlechter reden, als es eigentlich ist. Ich habe mir zur Angewohnheit gemacht. Und ich weiß, dass ich es gemacht habe, weil es einfach super unbequem. Extrem brutal, ehrlich zu mir zu sein es hat damals angefangen vor. Vielleicht letztes Jahr war es kurz vor Weihnachten, letztes Jahr war es kurz vor Weihnachten. Kurz nach Weihnachten war es sogar, dass ich in den Spiegel geguckt habe, so, nach dem Duschen. Ich hätte die Plätzchen vielleicht nicht essen sollen. Und anstatt einfach zu sagen: Okay, anstatt zu sagen, hättest mal weniger essen sollen, habe ich gesagt: Okay, du bist fett, sieht scheiße aus. Geh laufen wieder, speck mal ab, und das hat mich tatsächlich erst dazu bewogen, dann wieder angefangen zu laufen und dann den Marathon zu planen. Und wieder workout täglich fünfmal die Woche Fitness. Diese brutale Ehrlichkeit. Glaubst du, dass wir Menschen einfach zu unehrlich zu uns sind? Auf unserem Weg?

Carlo: Spannende Frage, wirklich spannende Frage, weil ich mit einem Wort Ja sagen würde Ich glaube, dass das auch jeden betrifft. Und ich glaube, gerade diejenigen, die glauben, sie wären weniger beeinflussbar von außen, sind noch stärker am stärksten beeinflussbar. Auf die Ehrlichkeit bezogen gerade diejenigen oder gerade, wenn wir glauben, dass wir mal alles über uns wissen können, würde ich jetzt derjenige Mensch, der das sagt. Dem würde ich am wenigsten glauben, weil überhaupt den Unterschied zu erkennen zwischen Wie ich bin und wie ich glaube, dass ich bin. Das sind zwei unterschiedliche Dinge. Nicht alles ist ein klarer Blick in den Spiegel, wie du gerade gesagt hast. Es ist eine Sache, wie ich mich gerne verhalten würde oder wie ich glaube, dass ich mich verhalte und ich eine ganz andere Sache, wie ich dann tatsächlich rüberkomme. Stimmlage, Augen all diese Dinge nehmen wir ja nicht immer so bewusst wahr. Meine eigene Mimik kann ich ja nicht. Kann ich ja nicht beim Sehen steuern oder nicht bewusst steuern. Zumindest. Und gleichzeitig verrät sie total viel über mich und was, was wirklich in mir vorgeht, wenn ich mich von irgendwas ekel. Dann sieht man das in meinem Gesicht. Und wenn ich mich dann fragst, ist alles in Ordnung? Ja, alles in Ordnung. So kann sein, dass ich es einfach nicht merke oder halt nicht ehrlich bin. Ich finde es unglaublich unglaubliche Herausforderung, ehrlich zu sich selbst zu sein, weil da finde ich jetzt, dass David Gorgance ein tolles Beispiel, weil die Wahrheit doch einfach furchtbar sein kann. David Gorgance irgendwie hat mal gesagt Ja, es war schwierig, damit klarzukommen, was für ein Stück Scheiße ich war, und das hat er von sich selbst gesagt. Ich würde die Sprache nie benutzen, weil ich mir sage Ich will nicht so krass mit mir selbst reden. Aber diese Begegnung mit mir selbst und einfach einzusehen: Okay, Moment mal, da ist eine Diskrepanz zwischen dem, der ich bin und der der ich sein möchte. Die Diskrepanz ist da, und das ist schon mal total wichtig. Einfach die Diskrepanz zu sehen und im nächsten Schritt sie überhaupt zu ertragen. Zu sagen: Nee, ich bin gar nicht so der Teamplayer, der ich dachte. Teamplayer ja, einfach ja sagen, mitmachen, dabei sein. Aber manchmal gibt’s Dinge, die will ich einfach nicht. Gibt es Dinge, da tue ich mich schwer. Ich will da nicht mitmachen. Und dann ehrlich zu sein, zu sagen: Hey, tut mir leid, so gefällt mir der Deal nicht. Ich bin jetzt so nicht dabei, oder ich komme nicht mit auf diesen Urlaub, oder ich komme nicht mit auf diese Geschäftsreise. Was auch immer. Das ist schwierig, weil gerade das bedeutet, wir wollen uns selbst hineinhorchen und sagen im Moment Okay. Was für ein Gefühl habe ich jetzt damit? Ist das jetzt für mich das Richtige? Und wenn wir ehrlich sind, gehen wir mit uns selbst und mit anderen in Konflikt. Und das auszuhalten oder Konflikte auszutragen, da sind Menschen unterschiedlich gut drin. Na ja, ich arbeite zumindest jetzt momentan dran. Einfach nur manche Dinge einfach anzusprechen und mit Freunden, Familien, Geschäftspartnern einfach zu üben, die Dinge anzusprechen, weil ich dann im ersten Schritt zu mir selber ehrlich bin. Moment, da ist etwas, das stört mich. Und wenn ich das jetzt anspreche, dann weiß ich, dass ich das klären kann. Und das sind auch so kleine Übungen, kleine Wege, kleine Schritte der Ehrlichkeit, die die Konfrontation bedeuten. Ob jetzt mit mir oder mit anderen, die sich aber über die über die Länge auszahlen, weil was ist die Alternative Niclas? Nicht ehrlich zu mir selbst zu sein und irgendwann feststellen Ich habe irgendeine Lüge gelebt. Das ist der Preis, der da am Ende des Tunnels, der Unehrlichkeit auf uns wartet. Und den will ich nicht zahlen. Dann gehe ich lieber ins Gericht mit mir selbst und finde Wege, ehrlich zu mir selbst zu sein. Hey, mein Körper gefällt mir nicht. Bankkonto gefällt mir nicht. Gewisse Beziehungen gefallen mir nicht. Gewisse Routinen oder schlechte Gewohnheiten gefallen mir nicht. Nicht gesagt, dass wir sie mit sofortiger Ehrlichkeit sofort gelöst haben. Aber dieses Verständnis, oder die Erkenntnis davon ist schon mal unglaublich viel wert. Ich mag, an einem Golf Buch habe ich etwas Interessantes gelernt, so eine buddhistische Methode. Wo, wenn du merkst, dass du einen gewissen Gedanken hast, musst du einfach einen Stein aus einem Korb von Steinen tust du in einen leeren Korb, und am Ende des Tages siehst du, wie oft, wie oft du daran gedacht hast oder wie oft du vielleicht die Sache getan hast und die du, die du nicht, die du nicht machen willst und das Schöne ist. Zuerst mal geht es nur darum festzustellen, wie viele Steine landen am Ende des Tages im Korb, der am Anfang voll war, der am Anfang leer war? Einfach mal beobachten, und ich fand die Übung einfach so toll, weil es ging da um den mentalen Teil vom Golf. Wie viele schlechte Gedanken hast du, wenn du irgendwie schlecht spielst, einfach mal zu beobachten und dann einfach mal den Gedanken, vielleicht auch fangen zu können und sagen: Ich habe gedacht, du kannst das und jenes nicht auf dem Golfplatz. So stimmt das eigentlich überhaupt? Ja, ich habe ja vielleicht in anderen Situationen super Schläge rausgehauen in dieser Situation. Und indem wir beobachten und diese Ehrlichkeit einfach nur mal beobachten im Kopf, was da wirklich vor sich geht, was dann passiert. Das Spannende ist, dass wir diesen Gedanken Prozess beginnen zu entschleunigen. Das heißt, wir gehen in Leerlauf. Es ist keine radikale Veränderung. Nein, ich hör jetzt auf damit und mache das. Ich denke, das funktioniert in wenigen Fällen, weil es so viel Willenskraft braucht, eine neue Gewohnheit anzubringen. Nur wenn ich einfach damit anfange, das zu beobachten, dann geht da langsam über die Tage, die Wochen, Monate geht einfach nur die Luft raus. Und irgendwann ist dann der rechte Korb, wo der am Anfang des Tages leer ist, vielleicht auch leer. Und damit beginnt sich das Thema aufzulösen.

Und das ist auf jeden Fall eine Möglichkeit für mich, Wege zu finden, ehrlich zu mir selbst zu sein. Nicht gesagt, dass es einfach ist, nicht gesagt, dass sich das ist vollständig oder ehrlich ist. Aber ja, es ist schwierig, und ich denke, es zahlt sich aus.

Niclas: Ehrlichkeit ist so schwierig. Ich habe in meinem Buch, im zweiten Buche geschrieben, das Komische war Das Buch sollte eigentlich heißen: Glaub mir, ich lüge. Und am Ende wurde das der Lügendetektor fürs Business. Frag mich nicht, wie es geworden ist, eine Entscheidung des Verlegers. Und ich habe am Anfang sehr viele Studien dazu tatsächlich durchgearbeitet, wo es einfach mal darum die Frage stellt wird: Wie viele Lügen erzählt der Mensch am Tag? Und da war eine Massenstudie, die eine Studie sagt Zwei Lügen. Die kamen aber links durch empirische Arbeit. Sagen wir mal ein bisschen daneben. Die andere Studie sagt bis zu 200 Lügen am Tag. Die andere Studie sagt zwei Lügen in einem Gespräch von zehn Minuten.

Carlo: Das bedeutet einer von uns hat jetzt schon. Wir haben beide schon öfter gelogen.

Niclas: Es gibt so viele verschiedene Studien dazu. Nicht wirklich eine kommt mal auf den richtigen Konsens zu sagen Wie viele Lügen gibt es eigentlich? Was mich vor allem aber interessiert, sind die Lügen, die wir uns selber erzählen, die uns aber nicht beflügeln, sondern die uns vor dem bewahren, was wir tun könnten im Leben, sondern von dem, was wir sind, indem wir uns selbst anlügen, weil wir sagen: Das kann ich nicht. Ich bin nicht gut genug, oder Ich habe kein Abitur gemacht, oder ich habe nicht studiert. Ich habe, ich bin jenes nicht oder Ich kann nicht. Oder ich kann noch nicht nach dem Abitur ins Ausland gehen. Ich kann noch kein Jahr work and Travel. Ich kann doch meinen Job nicht hinschmeißen und sagen: Ja, ich habe so viel investiert und mache jetzt etwas anderes. Oder ich kann doch nicht in dieses nicht bekannte, Unbekannte, was auch immer da kommt in der Zukunft rein springen und sagen: Ja, ich mache jetzt einfach mal irgendwas, weiß, um was es geht. Wir lügen uns so oft an, weil wir sagen, dass wir diese Dinge einfach nicht können. Diese Glaubenssätze, die uns selbst limitieren. Wir sind einfach in unserem Leben, nicht das Beste, was wir sein könnten, sondern wir sind das Schlechteste dessen, was wir gerade noch ertragen können und ich bin davon überzeugt, dass Toleranz hier extrem wichtig ist. Wir haben verschiedene Arten von Toleranz. Glaube ich zumindest. Ich meine, es gibt die Toleranz gegenüber anderen Religionen, Kulturen. Das halte ich auch für eine sehr wichtige Toleranz. Allerdings die andere Art der Toleranz halte ich für den absoluten Scheiß. Im wahrsten Sinne, denn das ist die Art von Toleranz gegenüber uns selbst und die Toleranz gegenüber all den Dingen, die wir nicht haben wollen. Zwei Menschen kommen zusammen, sind in einer intimen Beziehung miteinander, wohnen zusammen, sind Pärchen Mann, Mann, Frau, Frau, Mann, Frau alles Mögliche an möglichen Variationen zwischen dem. Der eine schreit den anderen Partner an. Streiten. Die Frage ist: Kann ich als Partner in einer Beziehung tolerieren, dass der andere mich anschreit? Oder gebe ich dem Raum, dass er sich einfach entfaltet, das Cholerische rauslässt und Dampf ablässt oder was auch immer? Oder kann ich es tolerieren, dass mich jemand anschreit und respektlos behandelt, toleriere, wie viele Beziehungen heutzutage tolerieren, dass, wenn der andere Partner sie anschreit, weil man gerade in so einer hitzigen Debatte ist und was weiß ich irgendwann Streit war? Und man schreit sich gegenseitig an. Kann ich das tolerieren? Für mich persönlich sage ich: Ich kann sowas nicht tolerieren, ich kann nicht tolerieren, wenn man mich anschreit. Ich sage dann sofort: Okay, lass uns reden, aber nicht schreien. Oder Ich verlasse den Raum oder mach einer von hunderttausend anderen Möglichkeiten, die ich habe. Und damit, glaube ich, ist das einer, der Hauptlügen in unserem Leben ist diese falsche Toleranz, indem wir Dinge tolerieren, die wir eigentlich nicht tolerieren wollen, weil der Mensch guckt sich oft an, so wie ich damals im Spiegelbild nach Weihnachten. Ich kann nicht tolerieren, dass ich zu viele Kilos auf den Rippen hab konnte ich nicht. Vollgas und weg mit den Kilos, wieder zurück in die Fitness. Ich kann nicht tolerieren, morgens erst um halb neun aufzustehen und entspannt zu sein. Ich muss morgens um fünf Uhr aufstehen. Ich bin da einfach Extremist der Lebensumstände. Ich will unbedingt unbedingt weit außerhalb meiner Komfortzone leben, weit außerhalb des Hamsterrad. Ich kann Hamsterrad nicht tolerieren. Ich kann es nicht tolerieren, ein Leben des Durchschnitts zu leben. Wie soll man das definieren? Das muss jeder für sich selber definieren. Aber Toleranz halte ich für den den großen, die große Bremse vor dem, was wir wirklich erreichen könnten im Leben, was wir wirklich sein könnten, weil wir Dinge tolerieren, die wir eigentlich nicht tolerieren wollen, weil wir sind. Wir tolerieren sie, weil es bequemer ist, weil es bequemer ist, die Dinge zu tolerieren, anstatt das anzunehmen und zu sich selbst ehrlich zu sein. Ich muss Sport machen oder oder Scheiße, ich hab einfach hier Mist gebaut. Oder zu sagen: Okay, das war falsch von mir. Oder sich einzugestehen, dass man auf dem falschen Weg ist und eine Kehrtwende machen muss. Aber stattdessen halten wir Menschen fest. Wir sehen die Dinge und sagen: Okay, ich habe aber schon so viel in die Beziehung investiert. Wir sind schon seit zwei Jahren zusammen. Ich habe so viel Zeit in die Beziehung investiert. Ich habe schon so viel Geld in die Aktien investiert. Wir sehen es immer wieder am Finanzmarkt. Die Menschen kaufen Aktien, die Aktie fällt. Die Menschen halten trotzdem an der Aktie fest, anstatt sofort zu verkaufen, weil der Kurs fällt und später wieder zu investieren. Nein, wir halten an der Aktie fest, weil wir glauben, der Kurs geht noch hoch. Wir halten fest, weil wir uns selbst belügen. Und dieses Festhalten an diesen gewohnten Strukturen, an dem, was wir kennen. Das finde ich, und damit mache ich auf den Abschluss. Das, finde ich, ist in deinem Buch ganz hervorragend rausgekommen. Und zwar wir halten an den bekannten Wegen fest, die uns die Gesellschaft vorgibt. Geh zur Schule, mach dein Abitur, dann geh studieren, macht dies, mach das, anstatt mal auf sein eigenes Bauchgefühl zu hören, in sich rein zu hören und zu sagen: Hey, was sind die zehn Dinge, die ich nach dem Abitur nicht machen will, nicht tolerieren will und stattdessen meinen eigenen Weg finden und mein eigenes, mein eigenes Leben richtig zu gehen? Ich glaube, das ist ein passendes Abschluss Statement. Deshalb nochmal kann ich nur empfehlen, dieses Buch zu lesen ist einer der besten Bücher, die es dieses Jahr gelesen habe, und dieses Jahr waren es 72 Bücher. Mein Ziel von 70 erreicht. Dieses Jahr ist es eines der besten Bücher, die ich gelesen habe. Jedem empfehle ich es, der einfach noch einmal das eigene Leben hinterfragen will oder gerade am Zenit steht und sich fragt: Was mache ich jetzt mit meinem Leben? Wie soll es sein? Was sind vor allem die Dinge, die ich nicht tolerieren will und nicht machen will? Carlo, ganz herzlichen Dank, dass du da warst beim Podcast Ich freue mich riesig. Vor allem, dass es auch nicht immer ganz einfach für dich aus München den weiten Weg Richtung Karlsruhe zu kommen. Aber ganz herzlichen Dank, dass es geschafft hast. Ich freue mich natürlich auch auf die Ausstrahlung dieser Sendung. Aber ich freue mich noch viel mehr, du hast es vorhin erwähnt. Ich mache schon mal einen kleinen Forecast auf dein nächstes Buch. Du bist schon fleißig dabei, die nächsten Gedanken zu machen für dein neues Buch. Ich hoffe natürlich auch, wenn dein neues Buch rauskommt, dass ich dich spätestens dann nochmal im Podcast begrüßen kann, dass du da nochmal da bist, wir über dein neues Buch sprechen. Ich bin schon gespannt drauf. Bis dahin würde ich sagen: Alles Gute für dich, viel Erfolg auf dem weiteren Weg und weiter so!

Carlo: Vielen Dank und vielen Dank für die Einladung!

2020-04-19T16:31:41+00:00